Dienstag, 21. April 2020

Die Stimmung steigt


Freizeitstress vs. CV


Die Stimmung steigt, sollte man meinen. Feiertage, Ferien und freie Zeit stehen vor der Tür, welch‘ Ironie. Die Sonne lacht bei sommerlichen Temperaturen, Freizeitsportler fahren und treten sich in Massen beinahe zu Tode auf Feldwegen oder im stadtnahen Wald.

CV hat uns so weit gebracht, dass entgegenkommende Fußgänger auf Feldwegen kehrt machen beim Anblick eines weiteren Spaziergängers, der Mundschutz wird im Laden demonstrativ zurechtgerückt, der Blick schmal und kalt, falls man sich beim Regal im Supermarkt begegnen sollte. Die Haut wird dünner, die Toleranzgrenze ist quasi auf der x-Achse angekommen, sprich, nicht mehr vorhanden.
Radfahrer brüllen Fußgängern unflätige Ausdrucke hinterher, rüde aussehende Gestalten blicken latent aggressiv um sich, sobald sich doch ein paar andere Draussengeher nähern.

Dann kommt die verschärfte Regel des Rechts- oder Linksverkehrs als weitere eskalationstreibende Kraft hinzu.
Vor lauter nichts falsch machen wollen, springt der Jogger gerne nach links oder rechts, weicht den Rollatordamen aus, um dem dicken Mann mit dickem Dackel platz zu machen, der sich in die Mauselöcher am Feldrand fräßt.

Die Bombe wird platzen, der Hütten- oder Lagerkoller wird kommen. Noch mehr schönes Wetter, noch mehr geschlossene Billigklamottenläden, noch mehr Freizeit, und die Stimmung wird kippen. Ganz nach dem Motto von Goethes Zauberlehrlings.

Bis dahin machen wir weiter gute Miene zum bösen Spiel, spielen das böse Spiel weiter, auch wenn die Miene sich langsam verdüstert.

Bild: Schwarzwald 



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