Donnerstag, 20. Februar 2020

Von BOD über Bachmannpreis zu Suhrkamp


Wieder eines meiner Lieblingsthemen: fb Gruppen. Noch besser, eher noch treffender, „Autoren“-fb-Gruppen.

Auf der Suche nach Ausschreibungen für Wettbewerbe, streunt der Autor durch den fb-Dschungel der Gruppen. Einigen wenigen tritt er bei, die ihm seriös und gepflegt erscheinen. Beinahe täglich kümmert sich der engagierte Administrator bei einer der Gruppen um neue Beiträge, die Gruppenregeln werden eingehalten, denn sonst fürchten die schreibenden Damen und Herren evtl. um ein unfreiwilliges Verlassen der Gruppe. Und das wäre bei ihren literarischen Qualitäten Jammerschade, wenn irgendein Kleinverlag nicht in den Genuss ihrer Schreibe kommen würde.

Das einzige Manko, das den streunenden Autor stört, sind die, seiner Meinung nach, völlig überflüssigen Kommentare. Da schreiben die Schreibenden unter jeden Post, dass sie eingereicht haben, und tatsächlich sofort eine Eingangsbestätigung erhalten haben. Nun darf man kein Spielverderber sein und wiederum ihnen antworten, dass das keinen interessiert. Außerdem, der streunende Autor hütet sich ja, wie wir bereits aus älteren Einträgen wissen, Kommentare zu schreiben. Wie bei „Leg Dich nicht mit älteren Herren an!“

Der neuste Streich, und dafür muss ich den Selfie-Zwangsgestörten beinahe Respekt zollen, ist, dass sie ohne Verlag ihre Machwerke an die Juroren des Ingeborg-Bachmann-Preises senden. Dieser ist nämlich zurzeit ausgeschrieben, und wie es in der Ausschreibung schon heißt, Autoren können nur von einem sie publizierenden Verlag vorgeschlagen werden. Nun kommt das Allerbeste: der streunende Autor hat nämlich sogar mal einen Bachmann Preisträger kennengelernt, und der wurde ebenfalls von seinem Verlag vorgeschlagen. Aber, wie gesagt, es werden keine Kommentare mehr geschrieben.

Der streunende Autor behält sich vor, zur Abendbelustigung in den Gruppen zu lesen. Natürlich nicht nur, das wäre ja beinahe verwerflich, aber bei Langeweile oder schlechter Stimmung hilft es ungemein. Dazu gönnt er sich ein Glas Wein und trinkt auf seine Namensvetterin.





Dienstag, 4. Februar 2020

courage


Flugschrift
courage von inge jung, im april'19


sie sagten sie hatten keine
keine courage um den braunen mob aufzuhalten den sumpf
doch das ist gelogen
sie waren da
die leuchtfeuer die menschen mit der unglaublichen kraft
mit dem wissen mit dem gewissen
so ganz gegen den braunen morast
so ganz- mensch

sie sind ganz weit weg
sagt der speichellecker der rtl-glotzer
dem das feinripphemd am schmerbauch klebt
sie sind bald wieder verschwunden vertröstet er
seine thromobosestrumpftragende frau
sie stellt ihm den gast in der küche vor
der seit einiger zeit unter ihrem dach wohnt
und ganz in baun gekleidet ist




Montag, 27. Januar 2020

königin


Für junge Menschen, die noch nichts richtig mit sich anzufangen wissen. Oder mit anderen.


königin

von inge jung (c), im januar ‘20



die hand ist eine rose
die sich fest an der
der geliebten hält
mit einem dornigen kuss
der mit schmerz
den schmerz ankündigt
den die verletzung herbeiführt

der kuss ist eine rose
der mit weichen duftenden
blütenblättern
die sanften lippen widerküsst
um in der berührung
darüber hinwegzutäuchen
dass dornen vorhanden sind

die sehnsucht ist das reich der dornen
die in geheimer sprache
klar
schmerz zufügt
mit dem gelöbnis
dass dahinter berauschender duft
und die königin der liebe wartet




Donnerstag, 23. Januar 2020

Leg' Dich nicht mit älteren Herren an!


Leg‘ Dich nicht mit älteren Herren an!

Da schaut man so Mir nichts Dir nichts in den Posts der „Freunde“ bei fb herum, und traut sich tatsächlich einen zu kommentieren.
Zwar drängte sich mir der Verdacht schon häufiger auf, dass der grauhaarige und sehr streng dreinblickende Herr ansonsten nur mit Herren befreundet ist, zumindest dass nur die seine Posts und Einträge liken, aber da geb‘ ich ja nichts drauf.
Nun hatte jener betagte Herr einen Eintrag eines befreundeten betagten Herrn geteilt, in dem dieser einen Kommentar zu einem Ereignis in Stuttgart schrieb, und wenn nicht der als Journalist, wer um Gottes Willen kann denn dann schreiben?
Hat überhaupt die Berechtigung? Die Lizenz? Oder erdreistet sich etwa ein Niemand einen Kommentar zu schreiben?
Frei nach dem Motto „Sind Sie auch Irgendjemand?“ sprengte ich frech nach vorn, von ganz hinten in der Reihe, und traute mich den 43. Kommentar zu schreiben. Und das ist kein Witz, ich merke mir so etwas ganz genau, seit meiner Kindheit.

Vor mir kommentierten nur grauhaarige Herren, und meist kommentierte der besagte betagte Herr zurück, freundlich, sachlich, verbindlich. Ging darauf ein, ließ sich zu nichts hinreißen, egal wie wortverdreht und überheblich kommentiert wurde.

Dann kam ich.
Ich erlaubte mir zu schreiben, dass mir der Beitrag doch zu sehr gefärbt durch den Kommentator ist.
Oh weh. Vielleicht hatte ich mich zu laps ausgedrückt, vielleicht unrecht gehabt, vielleicht einfach keinen Kommentar schreiben sollen, vielleicht niemals die Freundschaftsanfrage dieses Herrn annehmen dürfen. Fragen über Fragen, auf die es keine Antwort zu geben scheint.
Daraufhin entstand das Gedicht JB vs fb.

Ich kommentiere im Schnitt einen Beitrag pro Jahr, vielleicht in letzter Zeit auch 1,35 Beiträge pro Jahr. Aber selbst bei diesen wenigen Beiträgen halte ich bereits die Luft an, da, es sind erstaunlicherweise immer Herren, ich meist mit einem rüden Verweis rechnen muss bis hin zu einem shitstorm.

Falls der grauhaarige Herr, der in der Literaturszene gerne unterwegs ist und sich bekanntermaßen noch lieber mit Autoren schmückt, jemals persönlich vor mir steht, was durchaus schon bald passieren kann, werde ich mir einen Kommentar nicht verkneifen können.



Urs und Felina- Kinderbuch

"An der Kuhweide"
Aus dem Kinderbuch "Urs und Felina"
Zauberhafte Bilder von zwei jungen Künstlerinnen!






Sonntag, 19. Januar 2020

Das Ende einer Ära, und auch (fast) eines Buches


Das Ende einer Ära, und auch (fast) eines Buches

Ein Kommentar von Inge Jung


Eine Institution wird geschlossen. Eine Lokalität, die seit beinahe vierzig Jahren besteht. Eine Institution in der Stadt Ludwigsburg, die nicht aus dem kulturellen Leben wegzudenken war. Es spielten hier Größen aus der Musikszene, es war ihre Plattform um Musik zu machen und ihr Können zu zeigen. Viele Musiker hat diese Institution auf dem Weg zum Erfolg weitergebracht, bzw. hat diesen erst oder zum Teil ermöglicht.
Nach der Schließung scheinen sich die meisten der inzwischen etablierten Musiker nicht mehr zu erinnern, eher gesagt es ist wohl ein Leichtes, Anfänge zu vergessen, erinnern sie doch auch an wilde Zeiten, an vielleicht gar keine glamourösen Zeiten und die Angst vor dem Scheitern. Oder einfach an Zeiten, an die man ohnehin nicht erinnert werden will. (Vielleicht sich auch gar nicht richtig kann?)

Der Schock der Gäste sitzt tief. Gemunkelt wird seit Jahren, dass das Ende naht, aber wie immer bei Prophezeiungen, man will eben nicht die selbsterfüllende heraufbeschwören. Einige Angestellte arbeiten seit dem Eröffnungstag dort, oder zumindest seit vielen Jahren. Der Groll sitzt sicher tief, der der Immer-Besucher zum Teil sicher auch. Verständlich, denn eine sogenannte „Elite“ sieht sich als „Die Rofa-Familie“. Interessant ist, dass jede Gruppierung sich als diese eingeschworene Familie sieht, es den anderen abspricht. Der Beobachter und Zuhörer staunt.

Einer der regelmäßigen Besucher und passionierter Konzertgeher ist zum Glück Verleger. Als Kunstförderer, langjähriger Künstler, Maler, Lyriker, Literaturvereinsvorsitzender und Poesieliebhaber, hat er sofort eine kreative Idee:
er will eine Hommage an die „Rockfabrik Ludwigsburg“ schreiben. Eher schreiben lassen, denn bei der Demo für den Erhalt der Rockfabrik hat er viele Gleichgesinnte kennengelernt, ihre Trauer über das Verlorene gespürt.

Eben nicht nur als das oben Beschriebene, sondern auch als feinsinniger und tiefgründiger Mensch, schlägt er der Gruppe, die sich um den Erhalt nach wie vor bemüht, oder auch eine neue Lokalität zu finden, vor, ein Buch zu machen.
Er will vierzig Texte, Bildbeiträge, Geschichten, Kommentare, Interviews usw. als Hommage herausgeben. Alles zum Selbstkostenpreis. Arbeitszeit, Nerven, Telefonate usw. alles für umme, also seine persönliche Hommage, sein Beitrag.

Das Projekt findet großen Anklang. Alle scheinen begeistert, einige schreiben sofort, reichen Texte und Bilder ein, persönliche Erinnerungen und schwelgen in ihren Geschichten.
Aber es kann nicht immer so sein.
Wie auch Schneewittchen nicht in Ruhe bei den Zwergen gelassen werden konnte, so regten sich auch hier bald einige Stimmen. Eine sehr große Zahl war einfach ruhig, aber wie immer, steter Tropfen höhlt den Stein.
Leute, die absolut nichts mit der Herausgabe zu tun hatten, mäkelten an der Typographie, an dies und jenem. Alles wurde vom Verleger beschwichtigt und erklärt, dass es lediglich ein Arbeitstitel ist, und natürlich nicht die finale Version.

Nein, dass könne man nicht stehen lassen, die Stänkerer stänkerten weiter, einige Mitläufer hängten sich mit dran, natürlich nicht so offensiv, aber auch defensiv tut auf Dauer sein Übriges. Man könnte nun erwarten, dass die Befürworter in die Bresche sprangen, aber weit gefehlt. Einzelne Kommentare waren zu hören, dass man nun aufhören solle nur vorwürflich zu schreiben.

Im Hintergrund spielten sich nun ganz andere Nachrichten ab. Über Mail und Nachrichten in einem sozialen Netzwerk wurde der ehemals selbstlose ideenreiche Verleger angegriffen, beleidigt und bedroht. Zum Teil anonym, womit sich bereits die Größe der Schreibenden zeigt, ihren geistigen Moder und ihre Tumbheit.


Die beiden Verlagsbetreibenden beraten sich lange Abende, sprechen, wägen ab. Neben dem Sammeln der Beiträge und dem Organisieren, belasten die Beleidigungen und das Stänkern im Netz mittlerweile das Projekt. Man überlegt, will Treffen organisieren, muss Bildrechte abklären, sich wegen evtl. geschützter Logos, Titel, Namen etc. mit allen möglichen Leuten in Verbindung setzen.

Auch nette und freundliche Telefonate gibt es, es wird von zwei Mitstreitern Hilfe angeboten, das muss erwähnt werden, denn sonst wäre das Projekt zum Sterben verdammt gewesen. Aber weiter ging es nicht.
Auch haben diese beiden sogenannten „Mitstreiter“ sich nie in der Gruppierung im Netz zu Wort gemeldet, im Gegenteil, einer gab dem ärgsten Stänkerer sogar mehrfach Recht, was ja an sich keinen Sinn macht und paranoid genannt werden muss.

Die Bedrohungen sind zu diesem Zeitpunkt so weit, dass der Verleger Bilder auf seiner Verlagsseite entfernt und man überlegt, wie man denn nun überhaupt weiterverfährt, besser gesagt, ob überhaupt. Auch hier wird von den beiden wieder ein komplettes Wochenende beraten und abgewägt.

Die Entscheidung: man löscht sämtliche Posts, deren Kommentare bisher mit Würde und Professionalität ertragen wurden. Nur als der Permanentstänkerer ein Gedicht sieht, das den Titel „tastaturhitler“ trägt und älter ist, fühlt er sich angesprochen und läuft zu Hochform auf. Aber da ist es bereits entschieden.

Posts raus, Gruppe verlassen und solch ein Projekt eine einmalige Sache sein lassen. Übrigens: der Name des Gedichts ist natürlich mit Absicht gewählt worden, da in dem sozialen Netzwerk einige, vornehmlich interessanterweise Herren, sich hinter ihrer Tastatur verschanzen und jegliche Manieren, jedes Taktgefühl, und erst recht ihre Erziehung vergessen, ich gehe davon aus diese ist im Grunde vorhanden. Eine Unterstellung, die ich hier tätige.

Beiträge werden nach wie vor gesammelt, aber nur noch über die Verlags-E-Mail. Denn eines ist sonnenklar:
Was der Verlag beschlossen hat zu machen, macht er. Dazu sind die beiden Literaten viel zu konsequent und auch sturköpfig. Und, zu professionell, nur das haben die Stänkerer gar nicht erkannt.