Montag, 16. April 2018

überlebt


überlebt

von inge jung©, im april ‘18


will den rückhalt
der sich nicht auftut
der sich verschließt
in den vergangenen zeiten
der leere
die über allem steht
sich nur in abgründen zeigt
der menschlichen seele

nehme die zeiten heraus
die sich auftun
in alten texten gedichten
habe nichts hinzuzufügen
zu zeilen aus einer anderen zeit
sehe und vergesse sie
vernichte die buchstaben stück um stück
will glauben
aber weiß

die unaussprechlichen illusionen
sind aufgebrannt
auf weißes papier
auf haut und seele
zeigen her was unzeigbar ist
trennen zeiten welten
in den teilen der verschlossenen
herzen
wird das du zum wir
in worten
wird vergeben

ist die zeit reif
kann über neue welten
verhandelt werden
keine vergebung keine zweifel
lassen sich knechten
die rote sonne steht über allem
der mars färbt sich blau
wenn alles erlischt
die verkrusteten strukturen
müssen durchbrochen werden

das ende ist lang überlebt

Sonntag, 1. April 2018

ausgemerzt


ausgemerzt

von inge jung ©, im april ‘18





habe nichts vorzuweisen
als die leere die in allem ist
die sich aufdrängt
alles andere ab- und bedrängt
in den dunklen stunden
in denen nicht einmal die nachtigall singt
habe nichts vorzuweisen

der verfall ist gänzlich
nicht aufzuhalten
die zeit arbeitet weder für noch gegen uns
nur für sich
niemand kann sich ihr widersetzen
oder darüber hinwegsetzen
der verfall ist gänzlich

kann dem widerstand nicht widerstehen
dem wegfall nichts abgewinnen
der sich ausbreitet
entgegen allen beschwörungen
geleistet in der nacht
die sich selbst erfüllen und prophezeien
kann dem widerstand nicht widerstehen

die mängel sind ausgemerzt
alles in allem bereinigt
der zwiespalt geschlossen
in unseren träumen
die seele brennt und schreit nicht mehr
das feuer ist tatsache
die glut zuversicht
die mängel sind ausgemerzt




Sonntag, 18. März 2018

die idee


die idee

von inge jung©, im märz ‘18



allem voran gestellt steht der geist
der die idee gebar
die in sich unsterblich ist
die einmal entlassen
nie wieder gelöscht werden kann
die ihre daseinsberechtigung hat
nur durch sein
sich einreiht in die unendlichkeit
um für immer zu bestehen

geist und idee sind zu trennen
der geist gehört zu einem körper
der vergeht verglüht
um wo auch immer einzutauchen
die idee steht klar für sich
die frage steht im raum

kommt die idee daher wo der geist
eintauchen wird
oder kam der geist
um die idee zu gebären



Samstag, 3. Februar 2018

unsere kindheit

unsere kindheit

von inge jung, im februar ‘18



uns wurde unsere kindheit genommen
und durch polyester geknister und -farben ersetzt
die blumen lachten uns zu
blütenkelche klatschen den kindern heute immer
noch beifall

heute wie damals
gab es die kindheitsvergifter
diejenigen
die schon immer alt waren
für die nie ein kelch klatschte
alle blumen schwiegen

unter der sonne unserer kindheit
summten die insekten noch lauter
das gras duftete intensiver
der tau war ein lebendiges
liebendes wesen
das sich um unsere füße schmiegte

die sonne verbrannte nicht
sie streichelte

als wir älter wurden
wirkten die worte unserer kindheitsvergifter
die sie uns über jahre hinweg direkt ins gehirn
geflüstert hatten
sie echoten in uns nach

erst ohne von uns bemerkt zu werden
dann hörten wir sie bewusst
auch wenn wir beides hassten
mussten wir uns entscheiden wo es keine
entscheidung gab

nach der entscheidung

träumen wir die träume unserer kindheit


Sonntag, 14. Januar 2018

wiederfinden


wiederfinden 

von inge jung, im januar ‘18 


in den wirren des wissenden ungewissen
ist es ein einfaches das leichte sein zu lassen
das sein zu lassen
es nicht-sein zu lassen ein gewagter schritt
in die richtung die am besten erscheint
die sich offenlegt und offenbart
hinter dem zweifel der seine fratze zeigt
seine zähne die alles verteidigen
was
ist die frage 

in der deutung
verliert der seine deutlichkeit
der sich nicht abgrenzt
mithilfe von weitflächigem niemandsland
das sich erstreckt
von einer seele zur nächsten
das sich in die erdwölbung flüchtet
die so nah am ganzen ist
so nah an uns
in uns 

der pfad ist so kurz und eng
das nur einer ihn gehen kann
keiner in den weg stellen
kein platz keine zeit kein raum
für einen zwischenstopp
der sich anbieten würde
nur verzögerung wäre
treffen nur in die länge ziehen
das treffen derer die in der seele des anderen sind
sich dort wiederfinden
wo sie niemals verloren waren

Montag, 8. Januar 2018

ohne den einen


ohne den einen 

von inge jung, im januar ‘18 


bin nicht der schreiber
der großen worte
begnüge mich mit den kleinen
den übrig gebliebenen
aus dem großen fluss
der großen weisen genialen 

trage meine seele in mir
nicht außerhalb
kann nur die worte formen
die mit gegeben sind 

sehe den roten stern
sehe ihn in seiner schönheit
seiner reinheit
navigiere nach ihm
auch im sturm
wenn wolken davor sind
nur schemen von ihm zu erahnen 

das wissen um ihn ist da
um seine immerwährende präsenz
seine existenz
seit tausenden von jahren 

steht nicht in einem sternbild
leuchtet neben seinem grünen
die sich ineinanderfügen
sich das leuchten geben
ohne den einen erlischt der andere
unwiederbringlich 

waren schon immer da
standen am himmel